Norddeutschland2020

Der Norden - Ruhe, Möwen, Wellen.....

2020, unser Land von einer fiesen Krankheit gezeichnet, bot uns wenig Möglichkeiten, in das umliegende Ausland zu fahren. Die Unsicherheit der Corona- bedingten Schließung diverser Grenzen aber auch die Unwissenheit, wie die jeweiligen Behörden ausländische Gäste im Ernstfall versorgen können, brachte uns zu dem Entschluss, den Norden unseres Landes zu beschnuppern.

So starteten wir am 28.Juni mit unserem Dampfer und steuerten erst einmal einen festen Hafen Nähe Braunschweig an. Hier bei Freunden futterten wir uns noch einmal richtig fett und hatten einen angenehmen Abend. Am nächsten Tag ließen wir uns auf der Autobahn Richtung Bremerhaven treiben, verließen diese wegen Stau kurz vor Bremen und steuerten dann einfach Richtung Norden über die Dörfer.

Unterwegs hielten wir an einem netten Parkplatz und siehe da, hier gab es einen alten Mühlteich mit Park, wo wir uns die Füße vertreten konnten.

So.

Blick über den Mühlteich

Nach einer Stunde waren die Batterien wieder fit und wir tuckerten bis zur Nordküste. In Schillig war dann am Campingplatz Schluss und wir mieteten einen Womo-Stellplatz mit Strom und Flachbauduschen.

Den medialen Unkenrufen zum Trotz, von wegen überfüllter Stell- und Campingplätze muss ich widersprechen. Alles Quatsch, wir hatten in den zwölf Tagen nie Probleme, einen Parkplatz für unseren 7m- Wagen zu finden. Es war allerdings auch noch früh in der Saison.

In Schillig besuchten wir das Meer, naja - wir wollten aber es war weg. Irgendjemand hatte die große Wanne auslaufen lassen und so sahen wir erst einmal Schlick und Sand, soweit das Auge reicht. Abends dann war die Welt wieder in Ordnung, Ebbe und Flut sind eben doch die verlässlichsten Naturphänomene.

Nach zwei Übernachtungen fuhren wir weiter bis Norddeich und fanden zufällig den Hinweis zur Robben- Auffangstation. Daneben ein Stellplatz für lockere 12,00 Euronen inkl. Entsorgungsstation, was braucht man mehr? Von hier waren es 300m zur Station, 500m zur Küste und ringsum eine kleine Siedlung, wo wir eine Runde spazieren gingen.

Das Wetter trocken mit heftigem Wind aber durch den Damm weniger spürbar. Irgendwann gab es auch leichten Regen aber egal.

Von hier brausten wir weiter nach Emden. Emden ist bereits erforscht, wir waren schon mal da aber der empfohlene Stellplatz am Pops der Welt, sprich am Hafenende erwies sich als gut. Direkt an der "Alten Schleuse" mit Blick zum Wasser, einige Schiffsbewegungen ringsum, kostenloses parken ohne jeden Schnick.....perfekt. Als Wohnmobilist hält man es auch ohne Strom und Wasserhahn aus, wir sind ja mit dem Laster für paar Tage autark.

Nach dem Mittagsschlaf erkannten wir aber mit Schrecken, dass keine Schokolade mehr an Bord ist und wir dieses Vakuum unbedingt füllen mussten. Somit machten wir uns auf den Fußmarsch von etwa 5km in das Zentrum der Stadt. Vom Stellplatz aus durchwandert man diverse Industrie- und Gewerbeansiedlungen, kommt an einem alten Hochbunker vorbei und trifft irgendwann im inneren Hafen ein.

Hier gibt es viel zu sehen, das OTTO- Haus als Geburtshaus des großen Dichters und Schlenkers, diverse Fachwerkgebäude - voll schön und endlich auch einen Supermarkt, wo wir eine Tafel Rettungselemente erwerben konnten. Emden ist schön, schön nordisch. An der Uferpromenade stehen drei alte Herren aus Metall zur Erinnerung an die alten Fahrensleut und Fischer, welche sich hier immer trafen und ihren Priem ins Wasser spuckten. Der mittlere Herr kann das auch. Ein Sensor verhilft diversen Touris zu einer kleinen Süßwasserdusche, wenn sie unterhalb am Beckenrand stehen.

Oben die Meyerwerft in Papenburg.


Links das OTTO- Huus in Emden. Museum, Souveniers usw.

Das nächste Ziel war die Meyer- Werft in Papenburg.   klick

Die ist ja mal richtig fett. Ein Industriekomplex, groß aber irgendwie nichtssagend, ein 60m hohes Tor...oder höher???... und eben ein innen schwimmender fertig montierter Luxusliner ala Aida und Co. Eh - was ein Pott.

Zur Werftbesichtigung durften wir nach kurzfristiger Online- Anmeldung verschiedene Filmchen ansehen über Firmengeschichte, Schiffsbau und Schiffstransport zur Nordsee , sowie eine Werftbegehung absolvieren. Dabei kommen wir der Werkhalle ganz nahe, nur durch Glas getrennt. Stark, echt gut und informativ. Technik, Größe, Mitarbeiterzahlen, alles gaaanz groß.

Von der Werft tuckerten wir am Emskanal ein Stück Richtung Bremen, verließen diesen Wasserweg irgendwo und rollten durch diverse Dörfer zum Bremer Zentrum. Hier am bekannten Fußballstadion gibt es ein kleines Schwimmbad und eine Sackgasse, wo man kostenlos parken und schlummern kann. Der Stellplatz war somit für die nächsten beiden Tage gesichert. Unser Bremer Freund Ingo absolvierte mit uns einen privaten Abend mit Stadtrundgang, am Folgetag eine Reise nach Bremerhaven und dort den Besuch des Auswandererhauses und eines WKII- U- Bootes vom Typ XXI. Ein s.g. E- Boot mit Zusatzdiesel. Genau meins....ich steh auf Technik.

Das Auswandererhaus in Bremerhaven, extrafein!

Das Auswandererhaus ist irgendwie ein Museum aber es vermittelt den Eindruck, dass man selber auswandert. Man kommt so 1870 an einen Kai, sieht das große Dampfschiff, geht über die Stelling an Bord und ist mitten in den Kabinen. Es lebt, rumort, brummt, es ist perfekt inszeniert. Stark, echt sehenswert. Verschiedene Puppen in zeitnahen Gewändern vermitteln erst recht das Gefühl dabei zu sein.

Dazu gibt es viele Möbel mit Schubkästen, die beim öffnen Karteikarten enthalten von damaligen Auswanderern und deren Geschichte - oberfein!

Bremen und Bremerhaven waren ein Highlight und es sollte noch eins kommen. Nach dem Ausflug in den Stadtstaat donnerten wir an den Nord- Ostseekanal und fanden etwa mittig einen feinen Stellplatz bei Schachtholm. Mitten im Nix gibt es da Strom, Wasser, Entsorgung und zehn Meter vor unserer Front den Kanal.

Wenn die großen Pötte vorbeirauschten, fing unser LKW an zu vibrieren. Das Plexidach bekam einen Hauch von Leben eingeimpft und es schepperte fröhlich in seinen Nieten.

Eh- irre, wenn zehn Container übereinander vorbeischwimmen und das Ding achzig m lang ist, dann ist das schon interessant. Nur nachts, naja - da ist das eher unangenehm. Das Bett bekommt Frühlingsgefühle und man denkt eine Minute lang, man sei auf hoher See.

Hier ergab es sich auch, dass unsere Bremsbelagskontrolle online ging und ich mich kümmern wollte. Flugs per Suchmachine einen Partner gefunden, dem die Zulassung per Whatsi gefunkt und dessen OK eingeholt für eine Reparatur am nächsten Tag. Unser Pech, wir hatten einen festgegammelten Bremskolben und brauchten auch noch einen neuen Sattel. Ups...aber die Werkstatt war auf Zack und hatte nachmittags alles im Griff, tolles Team, Note eins!

Nachdem unser Dampfer in Rendsburg auf Eis lag, hatten wir genug Zeit für eine Stadttour. Da wir am Vortag schon mal eine kurze Visite in der City abhielten, wussten wir grob Bescheid und konnten uns im Randgebiet umsehen.

Rendsburg ist nicht so besonders groß aber es hat eine Besonderheit: Ein blauer Strich auf den Wegen bringt die Gäste auf dem Touri- Pfad ringsum. Nummern am blauen Band sagen uns per Infoblatt, was vor uns steht und welche Bedeutung es hat - Note 1 plus, fein gemacht.




Der Marktplatz in Rendsburg
Am späteren Nachmittag nahmen wir noch einmal Anlauf für einen kurzen Tourisprung und fuhren knappe 80 km zur Ostseeküste. Hier wollten wir eigentlich zum Weissenhäuser Strand aber wegen Navifehler landeten wir in Hohwacht auf einem ordentlichen Womo- Stellplatz. Ein abendlicher Rundgang zeigte uns die einfache Küstengestaltung und ein nettes Panorama. Ein anderer Touri quatschte uns freundlich an und siehe da , ein Vogtländer wie wir - die Welt ist klein.

Am nächsten Tag versuchten wir uns noch mal mit Weissenhaus aber da ist alles antiwomo verschlossen. Vergesst es!

Vor lauter Verzweiflung sind wir bis Schwerin durchgehämmert und fanden am frühen Nachmittag ein lauschiges Plätzchen in einem kleinen Hafen. Hier, auf dem Gelände eines schnuckligen Marina- Hotels, konnten wir im Hafengebiet spazieren und entspannen und siehe da, auch etwas finden. Hier gibt es Pfahlbauten mit Bootsgarage und Wohnung drüber, siehe Bilder. Das fetzt ja richtig.

Mitten im Grünen, dazu am Wasser, Haus, Bootsschuppen und Urlaubsflair.

Das ist die Rückseite,  sehr praktisch, unten sind die Garagen.

Abends paar Nettigkeiten mit den Womo- Nachbarn getauscht, super geduscht und ab zur letzten Nacht im Urlaubs- Modus.

Übrigens, links steht das kleine Marina- Hotel und rechts geht es hinter unserem Dampfer zum Hafenbereich.
Die Heimreise war autobahndominiert, ein 110kmh- Reifenplatzer nach dem Hermsdorfer Kreuz und ... ich brachte die Schrauben freilich nicht auf.....und netter Hilfe vom VERGÖLST- Mitarbeiter lockerten den Nachmittag ungewollt auf. Letztendlich ging alles gut, vielleicht auch, weil hinten ein Zwilling platzte und das zweite Rad die Situation rettete.

Egal, vorbei. Es war ein ungewohnter Urlaub, wenig Kilometer aber viele gute Eindrücke. Deutschland ist überall schön, du musst nur die Augen aufmachen und vielleicht ein Quetschen Glück haben. Ein Tipp: Navi an, kürzeste Route ohne Autobahn...und schon fährt man durch die kleinsten Dörfer. Das braucht Zeit aber auf einer Bundesstraße sieht man halt nix.

Die Leute an den Camperplätzen hielten sich wegen den kleinen Viren zurück, es ging alles recht geordnet zu und die Womo-Nachbarn hielten sich meistens auf Abstand.

Vielen Dank für Euer Interesse, prost.